Ersatzneubau eines Wohnhauses
Wettbewerb 2025, 2. Platz
Schürgistrasse, 60,62
8051 Zürich
déjà-vu
Ausgehend von der Fragestellung „Wie geht bezahlbarer und
ressourcenschonender Ersatzneubau heute?“ wurde der mit dem 2. Platz
ausgezeichnete Projektvorschlag für die Schürgistrasse 62 als ruhiges, präzises
Haus für Schwamendingen konzipiert, das sich in die Körnung und Typologie des
Quartiers einfügt. Die kompakte Hausform mit Schrägdach, Erkern und Balkonen
verleiht dem Gebäude eine klare Identität und Verankerung im Ort. Eine
einfache, robuste Gebäudestruktur aus materialoptimiertem Holzbau mit hohem
Wiederholungsgrad, minimaler Technik und Wiederverwendung von Bauteilen bildet
die Grundlage für Kosteneffizienz und langfristige Nachhaltigkeit. Ergänzt wird
dies durch suffiziente Grundrisse für rund 100 Bewohnende sowie eine aktivierte
Boden- und Dachebene, die an das Erbe der Riedlandschaft anknüpft. So erreicht
der Ersatzneubau eine Nachhaltigkeit, die jener einer Bestandserweiterung
ebenbürtig ist, und schafft langfristig einen sozialen, ökologischen und
ökonomischen Mehrwert für Schwamendingen.
Der Entwurf versteht sich als selbstverständlicher Beitrag zum bestehenden Quartier. Trotz der Lage in zweiter Reihe tritt das Gebäude selbstbewusst und ruhig In Erscheinung. Es fügt sich unaufgeregt in den städtebaulichen Kontext ein und nimmt dessen Körnung und Typologie auf, ohne diese zu kopieren. Die einfache Hausform wird durch angehängte Erker präzise akzentuiert. Zusammen mit den Balkonen verleihen diese Elemente dem Gebäude Tiefe und Individualität. Die Dachform greift das Schrägdach mit einem Wohngeschoss auf und wird durch eine für alle Bewohnenden gemeinschaftlich nutzbare Dachzinne ergänzt, die dem Haus eine klare Krone gibt. Der Haupteingang führt in eine zentrale Eingangshalle mit anliegendem Waschraum und Durchblicken zwischen den östlichen und westlichen Aussenräumen. Von der Halle werden zwei Treppenhäuser erschlossen. Die Adressierung erfolgt über das Erschliessungsband entlang der westlichen Parzellengrenze.
Der Entwurf knüpft an das landschaftliche Erbe der Riedwiesen an und greift die Logik der historischen Kulturlandschaft auf, in der Wasser zurückgehalten, versickert und verdunstet wurde. Flache Retentionsmulden nehmen das Dachwasser auf und ermöglichen die Entwicklung einer vielfältigen, ökologisch wertvollen Vegetation. Sie werden als zugängliche Spiel- und Aufenthaltsräume genutzt und verbinden ökologische Funktion mit sozialer Nutzung. Sickerfähige Beläge, naturnahe Bepflanzungen und ein umlaufender Weg stärken die Durchlässigkeit und Vernetzung im Quartier. Auf der Dachebene wird diese Ordnung weitergeführt: Die Dachzinne dient als gemeinschaftlicher Aussenraum für die Bewohnenden. Regenwasser wird gesammelt und zur Bewässerung von Pflanzen verwendet. Von hier eröffnet sich ein weiter Blick über Schwamendingen und die umliegende Landschaft, der das Gebäude im grösseren Zusammenhang verortet.
Die Wohnungsgrundrisse sind suffizient, zweckmässig und funktional angelegt. 27 Wohnungen bieten Raum für etwa 95 bis 115 Personen und ermöglichen unterschiedliche Wohnformen. Durch gleichwertige Individualräume lassen sich verschiedene Lebensmodelle abbilden, von kleineren und grösseren Familien bis hin zu Wohngemeinschaften. Die Räume können je nach Bedarf als Wohn-, Ess- oder Arbeitsbereiche genutzt werden und bieten damit eine hohe Flexibilität. Die Wohnküchen sind so proportioniert, um als zentraler Aufenthaltsort innerhalb der Wohnung zu dienen.
Die Konstruktion basiert auf einem einfachen, materialoptimierten Holzbau mit hohem Vorfertigungsgrad und grossem Wiederholungsanteil. Kurze Spannweiten, ein direktes Tragwerk sowie die Verwendung von Vollholz und wiederverwendeten Bauteilen bilden die Grundlage für eine ressourcenschonende Bauweise. Die Konstruktion ist nach dem Prinzip «Design for Disassembly» ausgelegt, während bei der Gebäudetechnik ein Low-Tech Ansatz gewählt wird. Der Entwurf belegt, dass ein Ersatzneubau hinsichtlich Nachhaltigkeit mit einer Weiterbau-Lösung im Bestand gleichzuziehen vermag. Durch das Zusammenspiel ökologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte kann ein langfristiger Mehrwert für Schwamendingen geschaffen werden.
Bauherrschaft
Stiftung PWG
Architektur
pool Architekten
Landschaftsarchitektur
Égü Landschaftsarchitekten GmbH
Bauingenieurwesen
dsp Ingenieure + Planer AG
Nachhaltigkeit
Durable Planung und Beratung GmbH